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SWK-Designwettbewerb „Energie & Mode“

„Electronic Interface“ von Belinda Maria Gredig gewinnt in 2011

Bereits zum dritten Mal wird in diesem Jahr mit der fachlichen Unterstützung des Deutschen Mode-Instituts (DMI) der SWK-Nachwuchsdesignerpreis vergeben. Junge Designer aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern sowie Studentinnen und Studenten von zahlreichen Modeschulen reichten ihre Entwürfe zum diesjährigen Wettbewerb ein. Insgesamt waren es am Ende mehr als 100 Einsendungen, aus denen eine Jury die 30 besten Ideen auswählte. Diese werden alle auf dem SWK Fashion Walk am Dionysiusplatz am 17./18. September im Rahmen der „Größten Straßenmodenschau der Welt“ vor großem Publikum präsentiert werden.

Überraschend und vielfältig waren die Kreationen, die zum diesjährigen Thema „Aufruhr der Systeme – Die Demokratiebewegung in der Mode“ eingingen. Ob Jeans, deren Musterungen im Backofen eingebrannt wurden oder die Schaumburger Tracht, die mit Gothic Style koalierte: Herkömmliches wurde hinterfragt und mit frischen oder frechen Ideen konterkariert. Vielschichtig, wandelbar oder „als Projektionsfläche des inneren Seins“ - die Umsetzung der innovativen Ansätze zeigte eine enorme Pluralität von Lifestyle-Entwürfen. Nicht lediglich jung und verrückt um jeden Preis, sondern mutig aber mit Reflektion und Besinnung - und dabei meist sehr tragbar.

Die Jury, die am Ende das Sieger-Outfit gekürt hat, bestand in diesem Jahr aus zahlreichen Experten: Neben SWK-Vorstand Carsten Liedtke war es vor allem Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des DMI, der als Jury-Vorstand mit seinem geschulten Blick die Modelle in Augenschein genommen hat. Unterstützt wurde er dabei von Roland Schweins, Gründer und Geschäftsführer des Online-Modeportals www.styleranking.de, der weiß, was derzeit en vogue ist. Und Yvonne Brandt, Redakteurin bei der Westdeutschen Zeitung Krefeld, beweist schon seit Jahren ihr modisches Know how.

Die Jury tat sich nicht leicht, was die Kürung des Siegers anbelangte. „Es waren in diesem Jahr wirklich zahlreiche kreative und hervorragend umgesetzte Modelle dabei. Ich glaube, sagen zu können: So hoch wie diesmal war das Niveau zuvor noch nie“, sagt Gerd Müller-Thomkins. Letztlich musste die Jury sich jedoch für eine Kreation entscheiden.

Tragbares Gesamtkunstwerk
Belinda Maria Gredig ist nach dem übereinstimmenden Votum der Jurymitglieder die Gewinnerin des diesjährigen Designwettbewerbs der SWK. „Die 21jährige Designerin hat mit ihrer Outfit- Konstruktion ,Electronic Interface’ ein tragbares Gesamtkunstwerk zum aktuellen Thema des Design-Contests „Aufruhr der Systeme – die Demokratiebewegung in der Mode’ geschaffen“, begründet Gerd Müller-Thomkins die Entscheidung. „In ihrem Modell fließen auf erstaunliche Weise unterschiedliche, aktuell wahrnehmbare Strömungen im Zeitgeist zusammen. Natur, Mensch und Technik ergeben auf den Ebenen der Farben und Mustermotive des Materials, der Schnittgestaltung und der Silhouetten-Konstruktion wie auch der elektronischen Gesamtinszenierung eine gestalterisch einmalige Komposition,“ erläutert Gerd Müller-Thomkins weiter.

In dem unikaten Beitrag von Belinda Maria Gredig wird eine Gestaltungsfreiheit deutlich, die sich abseits herkömmlicher Systembeschränkungen der Mode bewegt und scheinbar widersprüchliche Einflussfaktoren zu einem stimmigen Outfit vereint. Damit erfüllt sie die Anforderung der Themenstellung mit einem Entwurf, der auf exklusive Weise den derzeitigen Demokratisierungsprozess in der Mode widerspiegelt. An Mensch und Tier orientiert und zudem technisch äußerst lebendig ist das Modell von Belinda Maria Gredig.

Das Outfit „Electronic Interface“ der jungen Niederländerin, die an der Fahmoda Hannover studiert, versinnbildlicht eine Kombination aus menschlichen und tierischen Strukturen im Zusammenspiel mit tragbarer Elektronik. „Das Besondere dieser Arbeit liegt darin, dass technische, animalische und menschliche Aspekte gleichsam in Symbiose miteinander verbunden sind“, beschreibt die Designerin selbst ihr Modell. Und weiter: „Aufruhr der Systeme - weil die Technologie, die mittlerweile immer mehr zu einer intelligenten künstlichen Lebensform herangereift ist, sich nahtlos in die organischen Lebenswelten von Mensch und Tier eingefügt hat“.

Leder als zweite Haut
Die Siegerin hat die Schlüsselelemente ihrer Inspirationsquelle in den Mustern und der Farbenvielfalt aus dem Reich der Schmetterlinge und deren organisch wirkenden Flügelformen, die sich auf den menschlichen Körper projezieren lassen, gefunden. Für ihr Modell hat sie zarte digital bedruckte Habotai-Seide mit einem abstrahierten Muster eines Falters - als lichtdurchlässiger Teil - mit lichtundurchlässigem Velours-Leder, das Formen des menschlichen Knochengerüstes aufgreift, verarbeitet. „Leder diente schon in der Steinzeit als zweite Haut, und somit verweist der Einsatz dieses Materials implizit auf den Evolutions-Aspekt in meinem Modell“ erläutert die Studentin der Fahmoda Hannover ihre Intention. „Da wir in einer Zeit des technologischen Fortschritts leben, stellt sich also die Frage, ob es dann nicht auch legitim ist, Kleidung technisch aufzurüsten, als Spiegel unserer Zeit.“

Die 21-Jährige hat die Frage in ihrem Modell selbst beantwortet: elektronische Licht-Effekte geben dem Outfit Transparenz - und selbst die ausgefallenen hochhackigen Plateau-Schuhe und Gamaschen mit blinkenden Leuchtdioden unterstreichen die organisch-technische Verbindung. Der Lohn für so viel Kreativität und den durchdachten Entwurf: 2.000 Euro für den Gewinn des „SWK-Designwettbewerbs , Energie & Mode’ 2011“. Präsentiert wird die Kreation von dem Profi-Modell Svetlana.

Publikums-Voting
Übrigens können in diesem Jahr auch wieder die Besucher vor Ort ihr Urteil abgeben und einen Sieger wählen. Ab Samstagnachmittag, 17. September, können alle 30 Outfits auf den Internetseiten der SWK (www.swk.de/strassenmodenschau) bewertet werden. Dann wird sich zeigen, ob der Publikumsgeschmack von jenem der Fachjury abweicht. Das Outfit mit den meisten Stimmen gewinnt am Ende den Publikumspreis und erhält ein Preisgeld über 1.000 Euro.

Es lohnt sich also, vorbei zu kommen bei der „Größten Straßenmodenschau der Welt“ am 17. und 18. September und auf dem SWK Fashion Walk am Dionysiusplatz einen Blick auf den „Aufruhr der Systeme“ zu werfen.

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